Unser globales Ernährungssystem ist am Limit. Die intensive Tierhaltung verursacht enormes Tierleid und trägt aufgrund der energetisch höchst ineffizienten Produktion tierischer Proteine nur zur Ernährung eines kleinen Teils der Weltbevölkerung bei. Die intensive Landwirtschaft zerstört die Bodenfruchtbarkeit, erschöpft Wasserressourcen, stört biogeochemische Kreisläufe und bringt unsere Lebensmittelproduzent*innen zunehmend an ihre Grenzen. Der massive Einsatz von Pestiziden gefährdet unsere Gesundheit, allen voran jene der Landwirt*innen, und hormonelle Störungen sowie Krebserkrankungen nehmen zu. Die Biodiversität wird der Produktivität geopfert, während Bestäuberinsekten, die für eine zukunftsfähige Landwirtschaft unverzichtbar sind, immer seltener werden.
Wie in vielen anderen Ländern verschwinden auch in der Schweiz immer mehr Landwirtschaftsbetriebe. Im Jahr 2024 waren noch 47'075 Betriebe aktiv, gegenüber über 70'000 im Jahr 2000.1 Gegenüber dem Vorjahr verschwanden nahezu zwei Betriebe pro Tag, eine Entwicklung, die sich seit Jahren fortsetzt. Besonders betroffen von diesem Schwund sind kleinere Betriebe. Kosten und weitere Zugangshindernisse verhindern heute oft eine Hofübergabe, vor allem ausserhalb der Familie. Die Folge sind immer weniger, grössere und industriellere Betriebe.
Wir verfassen dieses Positionspapier inmitten einer der heissesten und trockensten Sommer, den die Schweiz, Europa und die Welt je erlebt haben. Die Schweizer Landwirtschaft ist am Limit und greift auf ihre Winterfutterreserven zurück. Das Mittelland ist ausgetrocknet und zunehmend von schweren Wald- und Flurbränden bedroht. Auf den Alpen verschärft sich der Wassermangel, und Gemüseproduzent*innen berichten von erheblichen Ernteausfällen. Im Juli 2026 haben deshalb über 1'600 Produzent*innen einen offenen Brief an den Schweizer Bauernverband unterzeichnet, in dem sie ihrer eigenen Dachorganisation vorwerfen, den Klimawandel nicht ernst genug zu nehmen.2
Die Lage ist äusserst ernst. Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, so weiterzumachen wie bisher. Unser Ernährungssystem zehrt nicht nur an den natürlichen Ressourcen und den Menschen, die unsere Nahrungsmittel produzieren sondern verursacht auch enorme Kosten für Millionen von Tieren, deren Belange noch viel zu oft ignoriert werden. Mit diesem Positionspapier legen wir, die Jungen Grünen Schweiz, unsere Position aus ökologischer, ethischer, sozialer und wirtschaftlicher Perspektive dar. Gleichzeitig formulieren wir Forderungen für eine zukunftsfähige und resiliente Landwirtschaft sowie ein nachhaltiges Ernährungssystem, das auf dem Respekt gegenüber allen Lebewesen und den natürlichen Ressourcen basiert, von denen sowohl das Leben als auch die Lebensmittelproduktion abhängen.
verabschiedet an der Mitgliederversammlung vom 15. August 2026 in Neuenburg