Ohne intersektionales Verständnis keine genügende Gesundheitsversorgung

An diesem Sonntag stimmte die Luzerner Stimmbevölkerung über das Referendum zum Spitalgesetz ab, ergriffen durch die GLP, Junge GLP und die Jungfreisinnigen Luzern. Die Jungen Grünen Kanton Luzern zeigen sich erfreut über die Annahme des Spitalgesetzes, wollen aber auch auf die grösseren Missstände hinweisen, welche die gesetzliche Verankerung eines definierten Angebots an den drei Standorten nicht verbessert.


Die Abstimmung ist ein Erfolg für die Liebhaber*innen einer funktionierenden Gesundheitsversorgung, wenn auch mit einem faden Beigeschmack. Für die Jungen Grünen Kanton Luzern ist klar, dass die Annahme des Spitalgesetzes lediglich eine ideologische Frage beantwortet, nicht aber wirklich etwas in der Sicherheit des Bestandes, gerade des Kantonsspitals Wolhusen ändert. "Wir haben über eine Vorlage abgestimmt, welche das Angebot der Spitäler klarer definiert, nichtsdestotrotz ist es jederzeit möglich, diese Angebote aufgrund von betrieblichen Gründen zu streichen", erklärt Giulia Bucheli, Vorstandsmitglied der Jungen Grünen Kanton Luzern. "Auch wenn wir eine klare Befürwortung des Angebotes in Wolhusen durch die Bevölkerung sehen, stabilisiert dieses Gesetz unsere Versorgung nicht, eine faktische Verpflichtung der Beibehaltung des Kantonsspitals Wolhusen gibt es nicht."

 

Für die Jungen Grünen Kanton Luzern ist klar, dass die Diskussion über die Standorte und Angebote der LUKS lediglich die Spitze des Eisbergs ist und die großen Probleme, gerade im Bezug auf die Gesundheitsversorgung im Entlebuch, aber auch in ganz Luzern noch immer vor uns liegen. "Als Person, welche nun doch einige Jahre in der Pflege und Betreuung im Entlebuch gearbeitet hat, sehe ich einige Probleme bei der lokalen Gesundheitsversorgung. Ein Aspekt hiervon ist sicherlich der extreme Hausärztinnen-Mangel, gerade auch in kleineren Dörfern. Aber auch die Verkehrsachse ins Entlebuch stellt ein Risiko für eine durchgehende Gesundheitsversorgung dar. Dadurch, dass wir lediglich eine sinnvoll ausgebaute Strasse haben, welche das gesamte Tal verbindet und für ein Grossteil der Bevölkerung der Öffentliche Verkehr gar nicht in Frage kommen kann, ist die Versorgungsgeschwindigkeit und -sicherheit abhängig von Stau und den momentanen Baustellen", erklärt Nadja Carver, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Kanton Luzern. "Zu einer ausreichenden Gesundheitsversorgung der Gesamtbevölkerung gehört viel mehr dazu als lediglich ein definiertes Angebot der Kantonsspitäler. Diese Intersektionalität geht unserer Meinung nach in der Diskussion stark unter, obwohl Aspekte wie beispielsweise erhöhte finanzielle Anreize für Hausärzt*innen, Ausbau und Förderung von Apotheken und regionalen Notfallpraxen Zentrumsspitäler entlasten und eine nahbare und zeitgemässe Gesundheitsversorgung ermöglichen würden."

 

Deshalb erarbeiten die Jungen Grünen Kanton Luzern zurzeit ein Positionspapier, um eigene Ansätze zur kantonalen Gesundheitsversorgung in den Diskurs zu bringen. "Bei der Parolenfassung zum Spitalgesetz waren wir sehr frustriert, wir stellten fest, dass es viel Gesprächsbedarf gibt und haben dementsprechend einen Workshop unserer Bildungsreihe der kantonalen Gesundheitspolitik mit Input von Pia Engler gewidmet", erklärt Giulia Bucheli. "Es ist uns ein Anliegen, dass wir, gerade auch als Jungpartei, nicht nur auf die Politik der innerparlamentarischen Kräfte reagieren, sondern auch proaktiv Lösungen suchen und vorschlagen." So wird an der Juni-Mitgliederversammlung über dieses Positionspapier abgestimmt. "Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeit und den Einbezug der Parteibasis in die Positionsfindung", so Bucheli.

 

So thematisieren die Jungen Grünen Kanton Luzern in ihrem Positionspapier beispielsweise die Problematik von Lärm- und Lichtverschmutzung, aber auch die Bedeutung von Biodiversität und Begrünung in der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung und setzen so ein Zeichen für die Intersektionalität und die Einbeziehung von leider oft vernachlässigten Aspekten der Gesundheitsversorgung.